Nicht alle Lehrberufe sind gleich gefragt. Während einige jährlich viele Bewerbungen erhalten, kämpfen andere mit Nachwuchsmangel. Für Sie als Lehrbetrieb lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung. Denn wer weiss, was Jugendliche anspricht und was nicht, kann gezielter kommunizieren, besser rekrutieren und erfolgreicher ausbilden.
Welche Lehrberufe gehören zu den beliebtesten?
Manche Berufe sind bei Jugendlichen seit Jahren besonders gefragt. Sie gelten als modern, vielseitig oder besonders zukunftssicher. Hier eine Auswahl der am häufigsten gewählten Ausbildungen:
Kaufmann / Kauffrau EFZ
Die kaufmännische Lehre bleibt ein absoluter Favorit. Sie bietet eine breite Grundausbildung, vielfältige Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Branchen und gute Anschlusslösungen, sei es mit einer Berufsmatur, einer Weiterbildung oder dem direkten Berufseinstieg. Viele Jugendliche schätzen die Mischung aus Büroarbeit, Organisation und Kundenkontakt. Auch die geregelten Arbeitszeiten, ein guter Lohn, die Möglichkeit sich später für Homeoffice oder Teilzeitarbeit entscheiden zu können, sind einige Punkte, die sich junge Menschen wünschen.

Fachmann / Fachfrau Gesundheit EFZ
Der Gesundheitsbereich zieht viele Jugendliche an, die gerne mit Menschen arbeiten und einen sinnvollen Beruf ausüben möchten. Besonders die Lehre als Fachmann oder Fachfrau Gesundheit erfreut sich wachsender Beliebtheit, auch weil sie gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten bietet, etwa in Richtung Pflegefachperson oder spezialisierte Bereiche. Zudem werden Fachkräfte in diesem Beruf ständig gesucht.

Detailhandelsfachmann / Detailhandelsfachfrau EFZ
Die Lehre im Detailhandel ist bei vielen Jugendlichen beliebt, besonders dann, wenn das Sortiment zur eigenen Interessenswelt passt. Ob Mode, Elektronik oder Sportartikel – wer gerne im Kundenkontakt steht und Verantwortung übernehmen möchte, findet hier eine praxisnahe Ausbildung mit direktem Einstieg.

Informatiker / Informatikerin EFZ
Technische Berufe rund um die IT sind nach wie vor sehr beliebt. Die Lehre als Informatiker oder Informatikerin gilt als modern, anspruchsvoll und zukunftssicher. Besonders Jugendliche mit logischem Denken, Interesse an digitalen Themen und einer Affinität für Technik fühlen sich hier angesprochen. Hier sehen junge Männer und Frauen oft eine Chance, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

Lehrberufe mit weniger Zulauf
Während gewisse Berufe regelmässig viele Bewerbungen erhalten, gibt es auch solche, bei denen Jahr für Jahr Lehrstellenangebot nicht genutzt werden. Das liegt nicht immer am Inhalt der Arbeit. Oft sind es Vorurteile, fehlende Sichtbarkeit oder schlichtweg mangelnde Information.
Berufe im Bauhauptgewerbe
Maurer, Strassenbauer oder Dachdecker, das alles sind Berufe mit solidem Fundament, gutem Lohn und echten Karrierechancen. Dennoch schrecken körperliche Arbeit, Wetterabhängigkeit oder das Image des „harten Jobs“ viele Jugendliche ab. Dabei bieten diese Berufe nicht nur Sicherheit, sondern auch echte Vielfalt im Alltag.
Technische Berufe in der Industrie
Berufe wie Polymechaniker, Produktionsmechaniker oder Anlagenführer werden stark nachgefragt, allerdings vor allem von den Betrieben, nicht Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen. Die Realität dieser Berufe ist oft technisch anspruchsvoll und vielseitig, doch in den Köpfen vieler gilt das Arbeiten in der Produktion noch als monoton oder veraltet. Hier braucht es moderne Kommunikation und realistische Einblicke.
Metzger / Metzgerin EFZ (Fleischfachmann / Fleischfachfrau)
Die Fleischverarbeitung gehört zu den systemrelevanten Branchen – dennoch gilt der Beruf des Metzgers bei Jugendlichen als wenig attraktiv. Der direkte Umgang mit tierischen Produkten, hygienische Vorschriften oder falsche Vorstellungen vom Berufsalltag sorgen für Zurückhaltung. Dabei bietet der Beruf nicht nur handwerkliche Vielfalt, sondern auch Karrierechancen, etwa in der Lebensmitteltechnologie, Produktentwicklung oder im Verkauf.



Warum manche Berufe mehr oder weniger beliebt sind
Die Beliebtheit eines Lehrberufs hängt von vielen Faktoren ab: vom Image, von den Entwicklungschancen, aber auch von gesellschaftlichen Trends. Jugendliche suchen oft nach Berufen, die modern, flexibel und gesellschaftlich anerkannt sind. Gleichzeitig spielt das Umfeld eine grosse Rolle: Schule, Familie und Freunde beeinflussen die Berufswahl mehr, als man denkt. Medien und Social Media verstärken diesen Effekt. Berufe, die dort präsent sind oder positiv dargestellt werden, wirken automatisch interessanter. Technische Berufe oder Handwerksberufe sind oft weniger sichtbar, obwohl sie sehr gefragt sind und gute Perspektiven bieten.

Was das für Sie als Ausbildungsbetrieb bedeutet
Wenn Sie in einem beliebten Beruf ausbilden, ist die Konkurrenz mit den Mitbewerbern gross. Sie müssen sich aktiv positionieren, um gute Lehrlinge zu gewinnen. Das gelingt mit einer starken Lehrstellenanzeige, Einblicken in den Berufsalltag, einem persönlichen Auftritt an Berufsmessen und einem sympathischen, modernen Image.
Falls Sie in einem weniger bekannten oder nicht so begehrten Beruf ausbilden, ist gezielte Information entscheidend. Zeigen Sie, was Ihre Ausbildung spannend macht, welche Möglichkeiten es danach gibt und was den Beruf im Alltag auszeichnet. Schnuppertage, Videos, Erfahrungsberichte von aktuellen Lehrlingen oder kurze Interviews können hier sehr wirksam sein.
Fazit: Jugendliche entscheiden sich für Lehrberufe, die greifbar, verständlich und attraktiv erscheinen. Als Betrieb haben Sie Einfluss darauf, wie Ihr Beruf wahrgenommen wird und wie Sie ihn präsentieren. Mit der richtigen Kommunikation, realistischen Einblicken und einem spannenden Social Media Auftritt können Sie nicht nur Interesse wecken, sondern auch nachhaltig für Ihren Beruf und Ihre Branche begeistern.








