Nicht jeder Lehrstart verläuft reibungslos. Manche Lehrlinge zeigen sich respektlos, sind unpünktlich, unmotiviert oder verhalten sich unangemessen im Umgang mit Kunden oder im Team. Andere wirken eher unsicher, scheu oder scheinen für den Beruf schlicht nicht geeignet zu sein. Für Sie als Berufsbildnerin oder Berufsbildner kann das herausfordernd sein, gerade dann, wenn Ihre Motivation gross ist, jedoch von der anderen Seite nichts oder zu wenig zurückkommt.
Warum verhalten sich manche Lehrlinge auffällig?
Unfreundlichkeit, ständiges Zuspätkommen oder auffällig viele Rauchpausen sind oft nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Manchmal liegen persönliche Probleme dahinter, Überforderung, familiärer Druck oder auch fehlendes Verständnis für den Berufsalltag. Gerade bei Jugendlichen sind Grenzen oft noch nicht gefestigt, sie testen aus, wie weit sie gehen können, manchmal ohne das Gegenüber bewusst verletzen zu wollen. In solchen Fällen ist es wichtig, dass Sie frühzeitig reagieren, aber mit klarem Kopf und ohne Vorwürfe. Machen Sie deutlich, dass es so nicht geht, aber zeigen Sie auch, dass Sie an einer Lösung interessiert sind.

Wer Lehrlinge ausbildet, sollte im Gespräch mit den Eltern bleiben
Gerade in der Grundbildung, und besonders im ersten Lehrjahr, lohnt sich der regelmässige Austausch mit den Eltern. Ein erstes Gespräch nach der Einführungsphase, also etwa nach 4 bis 6 Wochen, hilft, ein gemeinsames Bild zu gewinnen: Wie läuft es im Betrieb? Wie geht es dem Lehrling? Wo braucht es Unterstützung? Danach reichen oft halbjährliche Standortgespräche – ausser es treten Schwierigkeiten auf. Wichtig ist, die Eltern nicht nur dann einzubeziehen, wenn es Probleme gibt. Wer von Anfang an einen guten Draht zueinander hat und offene Kommunikation pflegt, schafft Vertrauen und hat im Fall der Fälle eine gute Gesprächsbasis.

Konsequenzen, wenn Lehrlinge sich nicht an die Regeln halten
Damit die Zusammenarbeit funktioniert, braucht es Transparenz. Legen Sie gemeinsam fest, was Sie erwarten, und besprechen Sie, welche Regeln gelten und zwar von Pünktlichkeit über Verhalten im Team bis zur Pausenregelung. Wenn etwas wiederholt nicht klappt, dürfen (und müssen) Sie das ansprechen. Bleiben Sie dabei ruhig, konkret und sachlich. Machen Sie auch klar: Wer Regeln verletzt, muss mit Konsequenzen rechnen. Dabei ist es aber wichtig, dass Sie nicht drohen, sondern den Rahmen aufzeigen. In vielen Fällen wirkt schon ein gemeinsames Gespräch, in dem Sie Haltung gegenüber der Auszubildenden zeigen. Hören Sie sich aber auch offen an, was er oder sie vorzubringen hat, vielleicht gibt es Gründe, für auffälliges Verhalten, die nach einer Lösung verlangen.

Lehrlinge zwischen Überforderung und Unterforderung
Nicht jeder schwierige Fall ist laut oder provozierend. Manche Lehrlinge ziehen sich eher zurück, wirken lustlos, fragen nichts oder glauben nicht an sich. Vielleicht fehlt es an Selbstvertrauen, vielleicht aber auch an echtem Interesse für den Beruf. Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen: Was blockiert den jungen Menschen? Wovor hat er oder sie vielleicht Angst? Fragen Sie nach, geben Sie kleine, erreichbare Aufgaben und zeigen Sie: „Du kannst das lernen – Schritt für Schritt.“ Manchmal brauchen Lehrlinge vor allem jemanden, der an sie glaubt.

Auch Lehrlingsausbilder dürfen Unterstützung holen – und Grenzen kennen
Sie müssen nicht alles alleine lösen. Sollte zum Beispiel der Verdacht auf Suchtverhalten (zum Beispiel Kiffen vor Arbeitsbeginn) oder ernsthafte Probleme im Raum stehen, ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen, sei es bei der Berufsberatung, bei internen Ansprechpersonen, Fachstellen oder auch den Eltern. Suchen Sie das Gespräch, bevor sich die Situation festfährt. Und wenn alle Versuche nicht fruchten, machen Sie sich bewusst: Auch das gehört zur Realität. Manchmal passt der Jugendliche einfach nicht in den Betrieb oder zu genau diesem Job. Es kommt gar nicht so selten vor, dass ein junger Mann oder reine junge Frau einen anderen Berufsweg einschlagen möchte, als die Eltern ihn vorgesehen haben. Eine saubere Trennung ist dann ehrlicher als eine jahrelange Notlösung für beide Seiten.
Fazit: Der Umgang mit schwierigen Lehrlingen verlangt Fingerspitzengefühl und Geduld. Legen Sie klare Linien fest und schaffen Sie Grenzen. Es ist aber auch wichtig, zuzuhören und die Gründe für das auffällige Verhalten herauszufinden. Wer hinschaut, statt wegzusehen, kann viel bewirken. Nicht jeder junge Mensch bringt von Anfang an alles mit, was das Unternehmen von ihm erwartet, aber viele entwickeln sich erstaunlich, wenn man ihnen eine echte Chance gibt.








