Die Lehrstelle ist ausgeschrieben, Bewerbungen trudeln ein und schon steht das erste Gespräch mit einer Schülerin oder einem Schüler an. Für viele Jugendliche ist es das erste Bewerbungsgespräch überhaupt. Und für Sie? Vielleicht denken Sie kurz zurück an Ihre eigene Lehrstellensuche. Mischten sich nicht auch bei Ihnen Nervosität, ein bisschen Stolz und viele Fragezeichen, wenn Sie sich auf den Weg zum ersten Vorstellungsgespräch machten? Ein Lehrstellengespräch ist kein normales Vorstellungsgespräch. Wer junge Menschen empfängt, sollte sich gut vorbereiten. Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich.
Das Gespräch beginnt schon vor der ersten Frage
Schon der Empfang ist entscheidend. Ein freundliches Hallo, vielleicht ein Glas Wasser und ein lockerer Einstieg wie „Hat alles gut geklappt mit der Anreise?“ helfen, die Anspannung zu lösen. Gerade Jugendliche überspielen ihre Nervosität gern mit Coolness oder kurzen Antworten. Geben Sie ihnen Raum, zeigen Sie echtes Interesse, das senkt die Hürde und öffnet die Tür zu einem ehrlichen Gespräch. Was Jugendliche brauchen, ist ein Gegenüber, das zuhört, neugierig fragt und mitdenkt. Auch kleine Nebensätze können viel verraten, etwa wenn jemand von einem Hobby erzählt oder beschreibt, was ihm in der Schule besonders leichtfällt oder schwer.

Die richtigen Fragen stellen und die falschen vermeiden
Jugendliche haben oft noch keine klaren beruflichen Vorstellungen. Das ist völlig in Ordnung. Vermeiden Sie Fangfragen und stellen Sie offene Fragen: Was hat dich an dem Lehrstelleninserat besonders interessiert? Warum möchtest du diesen Beruf erlernen? Wie sieht ein guter Tag für dich aus? Woran erinnerst du dich aus der Schule besonders gern? Auch Erlebnisse im Sportverein, beim Babysitten oder in der Küche mit der Grossmutter sagen oft mehr über Motivation, Teamgeist und Verantwortungsgefühl als jede Schulnote.
Vermeiden Sie es, Druck aufzubauen oder nach Zielen für die nächsten zehn Jahre zu fragen. Jugendliche planen selten in Karrierewegen, sie orientieren sich an Erlebnissen, Menschen und Momenten. Achten Sie darauf, wie er oder sie reagiert. Zögert da jemand? Strahlen die Augen kurz auf? All das gehört zur Einschätzung dazu.

Körpersprache, Haltung und Atmosphäre im Lehrstellengespräch
Sprechen Sie ruhig, verständlich und klar. Vermeiden Sie Fachbegriffe, Ironie oder Floskeln. Wer Jugendlichen offen gegenübertritt, erreicht, dass auch schüchterne Kandidatinnen oder Kandidaten trauen, mehr von sich zu zeigen.
Eine klare Struktur im Gespräch hilft beiden Seiten: kurze Vorstellung des Unternehmens, ein paar persönliche Fragen, ein kleiner Einblick in den möglichen Berufsalltag und zum Schluss genug Raum für Rückfragen. Nehmen Sie sich die Zeit, auf Augenhöhe zu sprechen, ohne herabzuschauen, aber auch ohne sich künstlich „jugendlich“ zu geben.

Lehrstellengespräch – nur reden oder auch zeigen?
Wenn Sie im Gespräch das Gefühl haben, dass jemand gut passen könnte, zeigen Sie auf Wunsch gern etwas vom Betrieb: den Laden, den Pausenraum, die Werkstatt, den Empfang. Auch ein kurzes Gespräch mit einem Auszubildenden, der schon im Betrieb ist, kann viel bewirken. Oft öffnen sich Jugendliche gerade dann, wenn der formelle Rahmen wegfällt. Sie signalisieren damit: Wir nehmen dich ernst, wir wollen, dass du dir ein Bild machen kannst und dir sicher bist, ob wir zueinander passen.

Du oder Sie? Wie Sie Jugendliche am besten ansprechen
Ob Sie die Jugendlichen im Gespräch duzen oder siezen, hängt stark von Ihrer Unternehmenskultur und der jeweiligen Branche ab. In vielen handwerklichen, technischen oder kreativen Bereichen ist das Du selbstverständlich und unterstützt den Teamgeist. In eher formellen Umfeldern oder bei grossen Betrieben kann das Sie mehr Struktur und Orientierung geben. Wenn Sie sich unsicher sind, hilft manchmal auch ein kurzer Hinweis zu Beginn des Gesprächs wie: „Bei uns im Betrieb ist das Du üblich – ist das für dich in Ordnung?“

Wie geht es nach dem Bewerbungsgespräch für eine Lehrstelle weiter?
Haben beide Seiten nach dem Vorstellungsterm ein gutes Gefühl, sollten Sie, bevor Sie sich verabschieden, mitteilen, wie das weitere Vorgehen ist. Melden Sie sich in zwei Wochen? Gibt es einen Schnuppertag? Kommt noch ein weiterer Termin? Bitten Sie den Bewerber oder die Bewerberin auch, sich Gedanken zu machen, eventuell mit den Eltern zu sprechen, ob diese Lehre wirklich die richtige ist und ein Feedback zu geben. Auch im Falle einer Absage von Ihrer Seite sollten Sie eine Rückmeldung geben, denn diese hilft den jungen Menschen, ihre Erfahrungen einzuordnen.
Fazit: Im Idealfall klappt es mit der Lehrstelle und er oder sie wird bald ein neues Teammitglied in Ihrem Unternehmen sein. Vielleicht war es aber auch nicht die passende Stelle. War das Gespräch respektvoll und bekam der Schüler oder die Schülerin interessante Einblicke und es bleibt ein positiver Eindruck.








