Die berufliche Grundbildung ist ein echtes Erfolgsmodell in der Schweiz. Und nicht nur grosse Unternehmen stellen Lehrlinge ein, auch kleine Betriebe überlegen sich immer häufiger, eigenen Berufsnachwuchs auszubilden. Sei es, um Nachfolger für die Branche zu sichern, Wissen weiterzugeben oder aus gesellschaftlicher Verantwortung. Doch wer darf überhaupt Lehrlinge ausbilden? Und was brauchen Sie dafür wirklich?
Wer darf Lehrlinge ausbilden?
Grundsätzlich können Sie Lehrlinge aufnehmen, sofern Ihr Betrieb bestimmte Voraussetzungen erfüllt: Sie müssen über genügend Fachkompetenz und personelle Ressourcen verfügen. Vor allem braucht es mindestens eine Person in Ihrem Team, die als Berufsbildnerin oder Berufsbildner anerkannt ist. Diese Person trägt die Hauptverantwortung für die Ausbildung und ist die direkte Ansprechperson für die Lehrlinge. Wichtig zu wissen: Ohne eine entsprechende formelle Ausbildung darf diese Rolle nicht übernommen werden, auch wenn die fachliche Eignung vorhanden wäre!

Welche Kurse brauchen Sie um Lehrlinge ausbilden zu können?
Die Ausbildung zur Berufsbildnerin oder zum Berufsbildner erfolgt in einem offiziell anerkannten Kurs, der rund fünf Tage dauert. Je nach Anbieter können Sie den Kurs kompakt oder in einzelnen Modulen absolvieren, teilweise wird diese heute online angeboten. Die Inhalte umfassen unter anderem die gesetzlichen Grundlagen des Lehrverhältnisses, den Aufbau der beruflichen Grundbildung, die Ausbildungsplanung, Kommunikation, Beurteilung und den Umgang mit Herausforderungen im Arbeitsalltag. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein schweizweit gültiges Zertifikat, das branchen- und regionsunabhängig anerkannt ist.

Wer im Team kann Lehrlinge begleiten?
Auch wenn die Hauptverantwortung bei der Berufsbildnerin oder dem Berufsbildner liegt, sollten alle im Team an einer erfolgreichen Ausbildung beteiligt werden. Ihre Angestellten sollten Aufgaben im Alltag begleiten, Abläufe erklären und oder Projekte mitbetreuen. Für diese Kollegen und Kolleginnen ist keine formelle Ausbildung notwendig, doch sie sollten fachlich kompetent, kommunikativ und hilfsbereit sein. Wichtig ist, dass Ihr ganzes Team hinter der Ausbildung steht. Denn auch kleine Gesten, wie ein erklärter Handgriff oder ein motivierendes Wort, wirken bei jungen Menschen oft gross.

Welche persönlichen Kompetenzen sind wichtig?
Fachwissen allein genügt nicht. Wenn Sie Lehrlinge begleiten, brauchen Sie vor allem Geduld. Die Auszubildenden machen Fehler, stellen viele Fragen und benötigen Zeit – das ist normal. Bleiben Sie ruhig und zeigen Sie auch Verständnis, wenn es mal nicht so rund läuft. Eine klare Kommunikation ist wichtig: Ihre Lehrlinge müssen verstehen, was von ihnen erwartet wird, wie sie sich verbessern können und wo sie Fortschritte machen. Ehrlichkeit, Respekt und eine verständliche Sprache sind dabei entscheidend.
Empathie ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Jeder Lehrling bringt eigene Stärken, Unsicherheiten und Erfahrungen mit. Wenn Sie sich darauf einlassen, können Sie individueller und erfolgreicher begleiten. Verlässlichkeit spielt ebenfalls eine grosse Rolle. Die jungen Berufsanfänger verlassen sich auf ihre Bezugspersonen, fachlich wie menschlich. Und nicht zuletzt hilft Freude an der Weitergabe von Wissen: Wenn Sie gerne junge Menschen fördern, werden Sie viel zurückbekommen.

Was bringt das Ausbilden von Lehrlingen Ihrem Unternehmen?
Natürlich kostet die Ausbildung von Lehrlingen Zeit und Engagement, und das sowohl in der Organisation, wie auch in der Planung und der Betreuung. Doch die Vorteile überwiegen deutlich. Sie sichern sich qualifizierten Nachwuchs, der passgenau in Ihr Unternehmen hineinwächst. Lehrlinge bringen frische Ideen, neue Perspektiven und oft eine belebende Dynamik ins Team. Zudem stärken Sie Ihr Unternehmensimage nach innen wie nach aussen, wenn Sie jungen Männer und Frauen die Möglichkeit geben, einen Beruf gründlich zu erlernen. Es zeigt Verantwortung, Zukunftsorientierung und Ihre Verbundenheit mit dem Schweizer Bildungssystem. Viele Betriebe berichten zudem von persönlicher Bereicherung: Die Ausbildung gibt dem Arbeitsalltag mehr Sinn und bringt neue Energie.
Fazit: Lehrlingsausbilder brauchen mehr als ein Zertifikat. Lehrlinge auszubilden ist in der Schweiz geregelt und eine verantwortungsvolle Aufgabe. Der Berufsbildnerkurs schafft die formale Basis. Entscheidend sind aber auch Ihre Haltung, Ihr Engagement und die Bereitschaft, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Mit einem klaren Konzept, einem unterstützenden Team und genügend Geduld wird die Ausbildung für Sie, Ihr Team und die Lehrlinge erfolgreich sein.








